1. Über Task Area „Data Literacy“ von NFDI4memory
Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur e.V. (NFDI) ist ein gemeinnütziger Verein mit über 300 institutionellen Mitgliedern. Ziel ist die Schaffung einer Grundlage für rechtskonformes, interoperables und nachhaltiges Forschungsdatenmanagement (FDM), für Forschende aus unterschiedlichen Fachdisziplinen. NFDI4Memory ist eines von 26 Fachkonsortien, speziell für die historisch arbeitenden Disziplinen.
NFDI4Memory ist ein Zusammenschluss von historischen Forschungs-, Gedächtnis- und Informationseinrichtungen mit dem Ziel, die historisch arbeitenden Disziplinen beim Digital Turn zu unterstützen. Hierfür entwickelt das Konsortium Dienste, Werkzeuge und Infrastrukturen, die den Umgang mit digitalen und digitalisierten Forschungsdaten erleichtern und neue Formen historischer Arbeit ermöglichen. Der Arbeitsbereich “Data Literacy” von NFDI4Memory hat es sich zur Aufgabe gemacht, gezielt die Datenkompetenzen innerhalb der historischen Disziplinen zu stärken. Im Zuge dessen werden Angebote und Services entwickelt, um die spezifischen Bedarfe der Community (von Studierenden und Lehrenden bis hin zu Forschende sowie Mitarbeiter*innen in Museen, Bibliotheken und Archiven) zu adressieren.
„Data Literacy oder Datenkompetenz bezeichnet die Fähigkeit einer Person, Daten zu erfassen, zu sammeln, zu managen, zu kuratieren, zu annotieren, zu verstehen, zu interpretieren, zu analysieren, zu visualisieren, zu kontextualisieren, zu dokumentieren und daraus sinnvolle Schlussfolgerungen zu ziehen. Dies ist besonders wichtig im Kontext der Arbeit mit Forschungsdaten und der Anwendung digitaler Forschungsmethoden. Datenkompetenzen umfassen ein breites Spektrum an Fähigkeiten und Kenntnissen, die notwendig sind, um Forschungsdaten effektiv, qualitätsgesichert und unter Berücksichtigung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis im Einklang mit den FAIR- und Open Science-Prinzipien zu handhaben. Dies umfasst das Wissen und Verständnis um grundlegende Begriffe und Konzepte des FDM, die Fähigkeit zur Datenorganisation, ‑strukturierung und ‑verarbeitung, die Fertigkeiten im sicheren Umgang mit digitalen Werkzeugen und Technologien sowie die Motivation und Offenheit gegenüber datenethischen und ‑rechtlichen Aspekten. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft,den notwendigen Kulturwandel hin zu einer etablierten Datenkultur in den historisch arbeitenden Disziplinen mitzutragen und gestalten zu wollen.“
(Döring u a. 2024, 1)1Döring, Laura, Stefan Kellendonk, Marina Lemaire, Kerstin Moeller und Stefan Büdenbender. 2024. Umfragebericht zur Data Literacy Bedarfserhebung für die historisch arbeitenden Disziplinen (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.12189030
2. Umsetzung
Inhaltliche Umsetzung
Wir, ein interdisziplinäres Team bestehend aus Mitgliedern der Hochschule Darmstadt, der Universität Trier und der Freien Universität Berlin, verfolgen das Ziel, Datenkompetenzen in Forschung, Studium und Lehre in den historischen Disziplinen zu stärken und die Community beim digitalen Wandel zu unterstützen. Unser Fokus liegt dabei auf der Integration digitaler Kompetenzen in die grundständige Lehre. Die Informations-, Lern- und Lehrplattform HISTOFOX will dazu einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie neben thematischen Artikeln auch Selbstlerneinheiten, Informationen zur Forschungssoftware und Lehrmaterialien jeweils mit hohem praxisnahen Anwendungsbezug auf einer Plattform bündelt, eng miteinander verzahnt und so verschiedene, integrative Zugänge und Formate anbietet.Die Plattform basiert auf den Konzepten von DATA AFFAIRS https://data-affairs.affective-societies.de/ und forText https://fortext.net/. Sie wurden von uns um zusätzliche, für die historischen Disziplinen relevante Aspekte erweitert.
Technische Umsetzung
Die Informations-, Lern- und Lehrplattform HISTOFOX wird mit der an der FUB-IT der Freien Universität Berlin entwickelten Software Open Encyclopedia System (OES) realisiert. OES ist eine standardisierte Plattform für insbesondere die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zur Erstellung, Publikation und Pflege von wissenschaftlichen Online-Referenzwerken im Open Access. Seit 2018 werden Online-Enzyklopädien, -Compendien und -Lexika mit OES umgesetzt. OES basiert auf dem Open-Source Content-Management-System WordPress und erweitert dessen Systemarchitektur mit der Unterscheidung in Publikations- und Redaktionsumgebung um enzyklopädische Funktionalitäten. OES ist als WordPress-Plugin mit zugehörigen Themes implementiert; der Quellcode steht zur Nachnutzung durch Dritte unter einer GPLv2-Lizenz auf GitHub zur Verfügung. Für den HISTOFOX wurden projektspezifische Erweiterungen an der Redaktions- und Publikationsumgebung von OES vorgenommen, unter anderem um Lerneinheiten erstellen, verwalten und darstellen zu können, und das H5P-Plugin für Lernaufgaben installiert.
