Logo

Suche in HISTOFOX

AbschnittEinführung: Digitale Quellenarten

Einführung: Digitale Quellenarten

Die Quellenkritik ist ein zentrales methodisches Fundament der Geschichtswissenschaft, das sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat und bis heute die Analyse historischer Quellen prägt. Mit dem digitalen Wandel in Wissenschaft und Gesellschaft stehen Historiker:innen jedoch vor der Herausforderung, die Besonderheiten und Herausforderungen von digitalem Quellenmaterial souverän einordnen und interpretieren zu können. Insbesondere bedarf es einer präzisieren Definition dessen, was eine digitale Quelle ist, wie sie sich in digitalen Kontexten manifestiert und unter welchen Bedingungen sie zur historischen Erkenntnis beitragen kann. 

Dabei ist eine Unterscheidung von drei digitalen Quellentypen nach Brügger (2012) zentral: Digitalisate, Born Digitals und Reborn Digitals

Digitalisate: Digitalisate sind digitale Repräsentationen physischer Objekte und entstehen durch Digitalisierung. Sie bilden bestimmte Eigenschaften des Originals, je nach technischer Entscheidung und Codierung, partiell ab, gehen aber stets mit Informationsverlusten (etwa Haptik oder Materialität) einher.

Born Digitals: Born Digitals, also genuin digitale Quellen wie E-Mails, Webseiten oder digitale Fotos, können nur innerhalb digitaler Umgebungen entstehen, dargestellt und weiterverarbeitet werden. Sie weisen drei Ebenen auf: eine physikalische (Speicherort), eine formal-logische (Dateiformat, Softwareabhängigkeit) und eine semantisch-konzeptionelle (Inhalt).

Reborn Digitals: Reborn Digitals sind digitale Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Nutzungskontext herausgelöst und archiviert oder migriert wurden. Diese Quellen haben meist ihre technische Funktionalität verloren, können jedoch semantisch noch auswertbar sein.

Der Umgang mit digitalen Quellen erfordert ein methodisches Vorgehen, das auf die besonderen Eigenschaften und Herausforderungen dieser angepasst ist. Während die klassische Quellenkritik vor allem auf physische Dokumente, Manuskripte oder Druckwerke ausgerichtet ist, sind digitale Daten vielfältiger und dynamischer. Neben digitalisierten physischen Dokumenten, erfordern insbesondere „Born Digitals“, also originär digitale Inhalte wie Webseiten, Posts sozialer Netzwerke oder KI-generierte Medien, eine erweiterte Betrachtung. Bei der Beurteilung der Authentizität solcher Quellen stoßen herkömmliche Kriterien wie materielle Beschaffenheit oder Beglaubigungsmittel an ihre Grenzen. Stattdessen gewinnen digitale Merkmale wie Metadaten, Versionsverläufe, Datenformate, die verwendete Software oder digitale Signaturen an Bedeutung, sofern diese Informationen überhaupt zugänglich sind. Dies bedeutet, dass die Analyse digitaler Quellen nicht nur eine Fragen nach ihrer Herkunft und Authentizität umfasst, sondern auch ein Verständnis der technischen Strukturen und Prozesse erfordert, die hinter den Daten während ihrer Entstehung standen und heute in der Bereitstellung stehen (vgl. Deicke u. a. 2024).1Diese Einführung basiert zum großen Teil auf der Ausarbeitung von Deicke u. a. 2024.