Einführung: Programmierung
Ein insbesondere im Umfeld der Digital Humanities oft bemühtes Zitat von Emmanuel Le Roy Ladurie aus dem Jahr 1968 lautet:
„l’historien de demain sera programmeur ou il ne sera plus1Historiker von Morgen werden Programmierer sein, oder sie werden nicht mehr sein.“
(Le Roy Ladurie 1968)
Nun ist es offensichtlich, dass die Historiker*innen von heute nicht Programmierer*innen sein müssen. Tatsächlich bezog sich Le Roy Ladurie auch auf die quantitative Geschichtsforschung und damit verbunden auf die Tatsache, dass statistische Auswertungen mit dem Computer deutlich leichter durchzuführen sind als per Hand. Dennoch lässt sich der Computer heute nicht mehr aus dem geschichtswissenschaftlichen Forschungsalltag wegdenken. Er wird jedoch meistens lediglich zum Schreiben von Textdokumenten und zur Recherche verwendet, also für Aufgaben, für die früher Zettelkästen und Schreibmaschinen verwendet wurden und bei denen Computer nicht direkt zur Beantwortung einer Forschungsfrage beitragen. Wenn jedoch beispielsweise ein Tabellenkalkulationsprogramm wie Microsoft Excel zur statistischen Auswertung von Sterbezahlen verwendet wird, ändert sich dies und ein Computer wird explizit Teil des Forschungsprozesses. Hier zeigt sich auch der technische Fortschritt, der Le Roy Laduries Prognose ebenfalls an vielen Stellen eingeholt hat. Durch leistungsstarke Computer in Verbindung mit grafischen Benutzeroberflächen können mittlerweile viele Aufgaben – wie z. B. grundlegende statistische Auswertung – ohne Programmierung erfolgen. Der Übergang ist hier jedoch nach wie vor fließend, genannt seien die in Tabellenkalkulationsprogrammen genutzten Formeln, die zumindest im Kern auch eine Form des Programmierens sind2Seit einiger Zeit sind Microsoft Excel-Formeln Turing-vollständig (Grüner 2020), Excel wird traditionell jedoch eher mit Büroanwendungen assoziiert und nicht als Programmierumgebung gesehen. Das Konzept der Turing-Vollständigkeit, benannt nach dem englischen Mathematiker Alan Turing, beschreibt Programmiersprachen und Systeme, die alle Berechnungen, die ein Computer theoretisch ausführen kann, ebenfalls ausführen können (Hiltscher 2025)..
In aller Regel wird mit dem Thema Programmieren jedoch die explizite Tätigkeit verbunden, Programmcode in einer dafür vorgesehenen Programmiersprache zu schreiben und anschließend durch einen Computer ausführen zu lassen. Die Zahl an verfügbaren Programmiersprachen ist dabei unüberschaubar und reicht von A wie Ada bis Z wie Zig. Welche Sprache dabei für ein Projekt die Richtige ist, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab, da bestimmte Sprachen für bestimmte Aufgaben optimiert sind. Einige sind dabei besser geeignet, um Betriebssysteme zu entwickeln, während andere sich explizit an wissenschaftliche Einsatzzwecke richten. Hinzu kommen Sprachen, die für sich beanspruchen, leicht erlernbar zu sein. Schon aufgrund dieser Vielfalt an Programmiersprachen kann in diesem Kapitel keine konkrete Einführung erfolgen. Stattdessen werden Gründe aufgezeigt, die für das Erlernen der Programmierung sprechen, sowie die damit verbundenen Chancen und Schwierigkeiten diskutiert. Im Abschnitt Tools wird auf externe Ressourcen zum Programmieren verwiesen.
Literatur
Grüner, Sebastian. 2020. „Microsoft: Excel-Formeln werden Turing-vollständig“. Golem.de. Zuletzt aufgerufen am 28. Januar 2026. https://www.golem.de/news/microsoft-excel-formeln-werden-turing-vollstaendig-2012-152609.html.
Hiltscher, Johannes. 2025. „Turing-Maschine erklärt: Der Computer, der alle Computer ist“. Golem.de. Zuletzt aufgerufen am 22. Januar 2026. https://www.golem.de/news/turing-maschine-erklaert-der-computer-der-alle-computer-ist-2406-185771.html.
Le Roy Ladurie, Emmanuel. 1968. „La fin des érudits. L’historien de demain sera programmeur ou ne sera pas“. Le Nouvel Observateur, 8. Mai.
