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AbschnittEinführung: Einführung in das Forschungsdatenmanagement

Einführung: Einführung in das Forschungsdatenmanagement

Mit dem Aufkommen der globalen Open-Science(OS)-Bewegung'Die Open-Science-Bewegung plädiert seit den frühen 2000er Jahren für eine offene und transparente Wissenschaft, in der alle Schritte des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses offen online zugänglich gemacht werden. So sollen nicht nur Endergebnisse von Forschungen wie Monographien oder Artikel öffentlich geteilt werden, sondern auch verwendete Materialien, die den Entstehungsprozess begleiteten wie: Labortagebücher, Forschungsdaten, verwendete Software, Forschungsberichte usw. Dadurch soll eine Partizipation an Wissenschaft und Erkenntnissen gefördert und interessierte Öffentlichkeiten angesprochen werden. Kreativität, Innovation und neue Kollaborationen sollen gefördert, Erkenntnisse auf ihre Qualität, Richtigkeit und Authentizität hin überprüft werden, was eine Demokratisierung von Forschung bezwecken soll. Zur Open Science zählen u. a. Open Access und Open Data, die Infrastrukturen des Teilens von Zwischenergebnissen von Forschungen bilden.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen in den frühen 2000er Jahren hat sich der Anspruch an eine verantwortungsvolle Forschung und eine gute wissenschaftliche Praxis'Die gute wissenschaftliche Praxis (GWP) bildet einen standardisierten Kodex, der als Regelwerk in den Leitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verankert ist. Die Leitlinien verweisen auf die ethische Verpflichtung jedes/jeder Forschenden, verantwortungsvoll, ehrlich und respektvoll vorzugehen, auch um das allgemeine Vertrauen in Forschung und Wissenschaft zu stärken. Sie können als Orientierung im Rahmen wissenschaftlicher Arbeitsprozesse geltend gemacht werden.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen (GWP) weiterentwickelt. GWP bildet einen standardisierten Kodex, der in den Leitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verankert ist und zu einem ehrlichen und verantwortungsvollen, sowie ethisch und rechtlich einwandfreien wissenschaftlichen Arbeiten verpflichtet (DFG, 2022). Immer stärker rücken Forderungen nach Open Access'Open Access bezeichnet den freien, kostenlosen, ungehinderten und barrierefreien Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Materialien. Für eine weitere rechtssichere Nachnutzung der Materialien durch Dritte müssen die Urhebenden mittels Lizenzvertrages die Nutzungsrechte an ihren Werken einräumen. Die freien CC-Lizenzen spezifizieren bspw. genau, wie Daten und Materialien weitergenutzt werden dürfen. Weiterlesen – einem offenen und kostenlosen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur – und damit nach Open Data'Open Data (offene Daten) sind Daten, die offen und frei online zugänglich sind sowie uneingeschränkt von Dritten weiterverwendet werden dürfen. Dies setzt voraus, dass sie mit einer offenen Lizenz versehen sind (Opendefinition 2023).' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen – der Möglichkeit des offenen Zugangs zu und der Nachnutzung von Forschungsdaten durch Dritte – in den Vordergrund. Die Forderungen nach Open Science sind in den Richtlinien und Empfehlungen der DFG verankert und haben zum Ziel, die akademische Forschung für unterschiedliche Öffentlichkeiten zugänglich zu gestalten. Damit soll das allgemeine Vertrauen in die Wissenschaft gestärkt und Kreativität, Innovationen und Kollaborationen gefördert werden.

Im Sinne der FAIR-Prinzipien'Die FAIR-Prinzipien wurden 2016 erstmals von der FORCE 11-Community (The Future of Research Communication and e-Scholarship) entwickelt. FORCE11 ist eine Gemeinschaft von Wissenschaftlern, Bibliothekaren, Archivaren, Verlegern und Forschungsförderern, die durch den effektiven Einsatz von Informationstechnologie einen Wandel in der modernen wissenschaftlichen Kommunikation herbeiführen und so eine verbesserte Wissenserstellung und -weitergabe unterstützen will. Das primäre Ziel liegt in der transparenten und offenen Darlegung wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse. Demnach sollten Daten online findable (auffindbar), accessible (zugänglich), interoperable (kompatibel) und reusable (wiederverwendbar) abgelegt und strukturiert sein. Ziel ist es, Daten langfristig aufzubewahren und im Sinne der Open Science und des Data Sharing für eine Nachnutzung durch Dritte bereitzustellen. Genaue Definitionen der FORCE11 selbst können auf der Website nachgelesen werden siehe: https://force11.org/info/the-fair-data-principles/. Die FAIR-Prinzipien berücksichtigen ethische Aspekte der Weitergabe von Daten in sozialwissenschaftlichen Kontexten nicht hinreichend, weshalb sie um die CARE-Prinzipien ergänzt wurden.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen, die 2016 erstmals von der FORCE11-Community (The Future of Research Communication and e-Scholarship) veröffentlicht wurden, sollen wissenschaftliche Erkenntnisse auch in ihrem Entstehungsprozess transparent und offen zirkulieren (Force, 2021). Daten sollen auffindbar (findable), zugänglich (accessible), interoperabel'Unter Interoperabilität bezeichnet man die Fähigkeit eines Systems mit anderen Systemen nahtlos zusammenzuarbeiten. Innerhalb interoperabler Systeme können Daten automatisiert mit anderen Datensätzen kombiniert und ausgetauscht werden. Somit werden Daten auf vereinfachte und beschleunigte Weise maschinell lesbar, interpretierbar und vergleichbar. Interoperabilität stellt eines der Hauptkriterien der FAIR-Prinzipien dar (Forschungsdaten.info 2026).' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen bzw. kompatibel (interoperable) und wiederverwendbar (reusable) strukturiert, dokumentiert und abgelegt werden. Durch einen uneingeschränkten Zugang zu Wissen soll die Partizipation an akademischen Diskursen für breite Öffentlichkeiten ermöglicht und eine Demokratisierung von Forschung angestrebt.

Grafik: FAIR-Prinzipien (nach Paulina Halina Sieminska), Anne Voigt mit CoCoMaterial, 2025, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

Dabei steht insbesondere das Forschungsdatenmanagement (FDM) im Fokus: FDM bildet das Schlüsselkonzept verantwortungsvoller, guter wissenschaftlicher Praxis und beinhaltet den Umgang mit Forschungsdaten in Bezug auf ihre Organisation, Pflege und Aufarbeitung anhand spezifischer Maßnahmen und Strategien. Ziel ist es, Daten im Sinne der FAIR-Prinzipien langfristig aufzubewahren und für Dritte zugänglich zu machen, sodass wissenschaftliche Aussagen überprüft, Nachweise gesichert und weitere Auswertungen oder Analysen vollzogen werden können. Hier greift der Imperativ des Data Sharing'Data Sharing meint das Teilen bzw. Weitergeben von Daten. Dabei gilt es gemäß den entsprechenden Anforderungen der Forschung, die Daten so offen wie möglich und so geschlossen wie nötig (Europäische Kommission 2021) darzulegen und zur Verfügung zu stellen. Insbesondere im Hinblick auf die Nachnutzung und den Umgang mit sensiblen, personenbezogenen Daten muss gründlich überprüft werden, ob und in welcher Form das Archivieren und Teilen von Daten mit anderen Wissenschaftler*innen und der Öffentlichkeit möglich und sinnvoll ist. Der Imperativ des Data Sharing bildet im Rahmen der Open-Science-Bewegung einen breiten Konsens in der Wissenschaft, ist aber aus sozial- und kulturanthropologischer Sichtweise kritisch zu betrachten und abzuwägen.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen, also des Teilens bzw. der Weitergabe von Daten: Gemäß den Anforderungen von Open Science'Der Begriff Open Science bündelt … Strategien und Verfahren, die allesamt darauf abzielen, ... alle Bestandteile des wissenschaftlichen Prozesses über das Internet offen zugänglich und nachnutzbar zu machen. Damit sollen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft neue Möglichkeiten im Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen eröffnet werden' (Open Science AG 2014). Weiterlesen gilt es, erhobene Daten „as open as possible and as closed as necessary“ (Europäische Kommission, 2021) zur Verfügung zu stellen.

Aspekte des Forschungsdatenmanagements gewinnen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung, sodass immer mehr Universitäten, Forschungs- und Förderinstitutionen eigene Forschungsdatenpolicies formulieren. Diese Leitlinien und Regelwerke bieten Orientierung bei Fragen bezüglich des FDM und sollten in der Umsetzung beachtet werden. Es gibt in Deutschland zwar noch keine allgemeingültigen Vorgaben zum Umgang mit Forschungsdaten, dennoch fordern zunehmend Forschungsförderer wie die DFG, das BMBF oder der EU entsprechende Nachweise oder Pläne (wie z. B. einen Datenmanagementplan'Ein Datenmanagementplan (DMP) beschreibt und dokumentiert den Umgang mit den Forschungsdaten und Forschungsmaterialien einer Forschung während und nach der Projektlaufzeit. Im DMP wird festgehalten, wie die Daten und Materialien entstehen, aufbereitet, gespeichert, organisiert, veröffentlicht, archiviert und ggf. geteilt werden. Zudem werden im DMP Verantwortlichkeiten und Rechte geregelt. Als 'living document' (also ein dynamisches Dokument, das sich fortlaufend in Bearbeitung und Veränderung befindet) wird der DMP im Laufe des Projektes regelmäßig geprüft und bei Bedarf angepasst.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen) verpflichtend ein.

Hinsichtlich eines empfohlenen, sorgfältigen Forschungsdatenmanagements kann ferner das Modell des Forschungsdatenlebenszyklus'Das Modell des Forschungsdatenlebenszyklus stellt sämtliche Phasen dar, die Forschungsdaten vom Zeitpunkt der Erhebung bis zu ihrer Nachnutzung durchlaufen können. Die Phasen sind an bestimmte Aufgaben gekoppelt und können variieren (Forschungsdaten.info 2026). Allgemein umfasst der Forschungsdatenlebenszyklus folgende Teilbereiche:  Weiterlesen als unterstützendes Hilfsmittel herangezogen werden: Innerhalb dieses Konzeptes werden einzelne „Lebensstadien“ von Daten unterschieden und mit bestimmten Aufgaben verbunden, die vor, während und nach der Datenerhebung anfallen. Diese beinhalten die Planung des Forschungsvorhabens, die Datenerhebung als solche, die Aufarbeitung und Analyse von Daten, die Datenpublikation sowie die Archivierung und Nachnutzung. Mit der Metapher des Lebenszyklus werden Daten als „lebendige“ Entitäten betrachtet, die auch über das einzelne Forschungsprojekt hinaus (z. B. durch eine Nachnutzung'Eine Nachnutzung, oftmals auch Sekundärnutzung genannt, befragt bereits erhobene und veröffentlichte Forschungsdatensätze erneut mit dem Ziel, andere Erkenntnisse, möglicherweise aus einer neuen oder unterschiedlichen Perspektive, zu erhalten. Die Aufbereitung von Forschungsdaten für eine Nachnutzung erfordert einen erheblich höheren Anonymisierungs-, Aufbereitungs- und Dokumentationsaufwand als die bloße Archivierung im Sinne von Datenspeicherung.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen) ein „eigenes Leben“ führen.

Grafik: Forschungsdatenlebenszyklus, Anne Voigt nach forschungsdaten.info, 2025, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

Die oben beschriebenen FAIR-Prinzipien, die Leitlinien der Forschungseinrichtungen und Drittmittelgeber sowie der Forschungsdatenlebenszyklus stellen Empfehlungen für ein erfolgreiches Forschungsdatenmanagement dar, berücksichtigen allerdings forschungsethische Aspekte und Problematiken nur am Rande. Daher wurden 2019 von der Research Data Alliance, die einen technischen und sozialen infrastrukturellen Ausbau von Data Sharing anstrebt, die CARE-Prinzipien'Die CARE-Prinzipien wurden 2019 von der Global Indigenous Data Alliance (GIDA) etabliert. Sie fungieren als Komplement zu den FAIR-Prinzipien und gelten als Hilfswerkzeug, um Forschungskontexte und ihre historische Einbettung sowie Machtasymmetrien im Feld stärker zu fokussieren. Das Akronym steht für Collective Benefit (Gemeinwohl), Authority to Control (Kontrolle der Forschungsteilnehmenden über die eigene Repräsentation), Responsibility (Verantwortung seitens Forschender) und Ethics (Berücksichtigung ethischer Aspekte). Durch die CARE-Prinzipien soll der gerechte, respektvolle und ethische Umgang mit Forschungsteilnehmenden und den aus der Forschung generierten Daten hinsichtlich des Data Sharing betont und berücksichtigt werden. Die CARE-Prinzipien sind somit in allen Phasen des Forschungsdatenlebenzyklus und des Forschungsdatenmanagements relevant.' (Data Affairs, Glossar)  Weiterlesen formuliert. Sie sollen als Ergänzung der FAIR-Prinzipien fungieren und sind besonders für die historische Forschung im Bereich der Area Studies, der Kolonialgeschichte und indigener Gemeinschaften bedeutend.

Literatur

Nachweise in Data Affairs

Artikel

Einführung in das Forschungsdatenmanagement

Lerneinheit

Einführung in das Forschungsdatenmanagement