Motivation: Persistente Identifikatoren (PIDs)
Wer Forschungsergebnisse veröffentlicht, steht vor einem grundlegenden Problem: Namen ändern sich, Webseiten verschwinden, Institutionen fusionieren. Was heute eindeutig scheint, kann morgen schwer auffindbar oder falsch zugeordnet sein und was gestern online publiziert wurde, ist ohne stabile Referenz heute oft kaum noch verlässlich nachzuweisen. Dieses Problem betrifft nicht nur aktuelle Forschung, sondern auch den Umgang mit historischen Quellen, Personen und Orten, deren Bezeichnungen sich über Jahrhunderte hinweg verändert haben. Persistente Identifikatoren (PIDs) lösen dieses Problem, indem sie Personen, Objekte, Orte und Organisationen mit einer dauerhaften, eindeutigen digitalen Kennung versehen, unabhängig von Namensvarianten, Institutionswechseln, historischen Umbenennungen oder veränderten Webadressen.
Für Forschende bedeutet das konkret: Ihre Publikationen, Datensätze und anderen wissenschaftlichen Beiträge sind durch die PID zuverlässig auffindbar und klar ihrer Person zugeordnet – heute und in Zukunft. Besonders beim Einsatz digitaler Methoden, z. B. bei der automatisierten Auswertung großer Datenbestände oder der Verknüpfung heterogener Quellen, ist eine eindeutige Zuordnung von Entitäten unerlässlich: Werden dieselbe Person, derselbe Ort oder dieselbe Institution unter verschiedenen Bezeichnungen geführt, können Analyseergebnisse systematisch verzerrt werden oder schlicht falsch sein. PIDs schaffen hier die notwendige Grundlage für methodisch belastbare Forschung.
Darüber hinaus wird die Pflege des eigenen Forschungsprofils bei ORCiD zunehmend automatisiert: Bibliotheken und Verlage speisen ORCiD-Profile heute immer öfter automatisch mit neuen Publikationen, sobald diese gemeldet werden. Gleichzeitig werden immer mehr Institutionen ORCiD-Mitglied, um die Daten ihrer Forschenden direkt abzurufen, etwa um Forschungsprofile auf institutionellen Webseiten automatisiert auszugeben oder Forschungsinformationssysteme zu befüllen. Für Forschende bedeutet das weniger manuellen Pflegeaufwand, insbesondere bei Institutionswechseln.
Gleichzeitig sind PIDs ein zentrales Werkzeug zur Umsetzung der FAIR-Prinzipien'Die FAIR-Prinzipien wurden 2016 erstmals von der FORCE 11-Community (The Future of Research Communication and e-Scholarship) entwickelt. FORCE11 ist eine Gemeinschaft von Wissenschaftlern, Bibliothekaren, Archivaren, Verlegern und Forschungsförderern, die durch den effektiven Einsatz von Informationstechnologie einen Wandel in der modernen wissenschaftlichen Kommunikation herbeiführen und so eine verbesserte Wissenserstellung und -weitergabe unterstützen will. Das primäre Ziel liegt in der transparenten und offenen Darlegung wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse. Demnach sollten Daten online findable (auffindbar), accessible (zugänglich), interoperable (kompatibel) und reusable (wiederverwendbar) abgelegt und strukturiert sein. Ziel ist es, Daten langfristig aufzubewahren und im Sinne der Open Science und des Data Sharing für eine Nachnutzung durch Dritte bereitzustellen. Genaue Definitionen der FORCE11 selbst können auf der Website nachgelesen werden siehe: https://force11.org/info/the-fair-data-principles/. Die FAIR-Prinzipien berücksichtigen ethische Aspekte der Weitergabe von Daten in sozialwissenschaftlichen Kontexten nicht hinreichend, weshalb sie um die CARE-Prinzipien ergänzt wurden.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen, da sie Forschungsergebnisse auffindbar machen. Wer PIDs konsequent einsetzt, stärkt damit nicht nur die eigene wissenschaftliche Sichtbarkeit, sondern trägt aktiv zu Transparenz und nachhaltiger Forschungspraxis bei.
PIDs sind darüber hinaus eine zentrale Grundlage für Linked Open Data'Linked Open Data' bezeichnet strukturierte, maschinenlesbare Daten, die im Internet unter offenen Lizenzen frei zugänglich sind. Sie folgen den vier von Tim Berners-Lee formulierten Linked-Data-PrinzipienAusführlichere Informationen zu den Linked-Data-Prinzipien finden Sie unter: https://handbook.opendata.swiss/de/content/glossar/bibliothek/linked-open-data.html, wonach Ressourcen mittels URIs identifiziert und mit anderen Datensätzen verknüpft werden. Weiterlesen: Indem Personen, Orte, Körperschaften und digitale Objekte mit eindeutigen Identifikatoren versehen werden, können Forschungsdaten maschinenlesbar miteinander über Projektgrenzen, Institutionen und Disziplinen hinweg in Beziehung gesetzt werden. Forschungsdaten werden dadurch nicht nur zitierfähig, sondern aktiv vernetzbar und für die Nachnutzung durch andere erschlossen.
