Logo

Suche in HISTOFOX

LerneinheitArchivierung

Diskussion

Die Arbeit in Archiven und das Stützen auf darin aufbewahrte Unterlagen ist einer der zentralen Faktoren der Forschung in historisch arbeitenden Disziplinen. Bei der Archivierung der eigenen Forschungsdaten wird man selbst zum Quellenerzeugenden (Datengebenden). Es ist daher hilfreich, darüber nachzudenken, was man gerne selbst bei der Auswertung von Archivmaterialien vorliegen hätte, z. B. zusätzliche Kontextinformationen in Form einer aussagekräftigen Dokumentation.

Ein Grund für Archivierung im Sinne des Forschungsdatenmanagements ist die Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis'Die gute wissenschaftliche Praxis (GWP) bildet einen standardisierten Kodex, der als Regelwerk in den Leitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verankert ist. Die Leitlinien verweisen auf die ethische Verpflichtung jedes/jeder Forschenden, verantwortungsvoll, ehrlich und respektvoll vorzugehen, auch um das allgemeine Vertrauen in Forschung und Wissenschaft zu stärken. Sie können als Orientierung im Rahmen wissenschaftlicher Arbeitsprozesse geltend gemacht werden.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen. Dazu gehört die Nachvollziehbarkeit, gar die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse anhand der Untersuchungsmaterialien und weiterer Forschungsdaten, die während des Forschungsprozesses entstanden sind. Unter Heranziehung der archivierten Daten wird die Möglichkeit geschaffen, die in einer Publikation getätigten Aussagen auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen. Unter dem Schlagwort „Replikationskrise” (Pashler et al 2012) hat die Notwendigkeit, das Zustandekommen und die Validität von Forschungsergebnissen genauer zu prüfen, bereits in vielen wissenschaftlichen Disziplinen Einzug gehalten (Open Science Collaboration 2015, Ioannidis 2005, Hoffmann et al 2025). In den Geisteswissenschaften und den historisch arbeitenden Disziplinen ist das Thema bisher nur am Rand aufgetaucht (Schubert 2021). Gerade in der stärker datengetrieben arbeitenden digitalen Geschichtswissenschaft sollte diese Debatte jedoch antizipiert werden, wozu dann auch eine gewissenhafte Archivierung von Forschungsdaten gehört.

Hierbei ist darauf zu achten, die Archivierung von Forschungsdaten von deren Publikation im Sinne einer Datenpublikation zu trennen. In letzterem Fall werden ausgewählte Daten sorgfältig und meist zeitaufwändig aufbereitet und mit dem expliziten Ziel der Nachnutzung durch andere Forschende publiziert. Bei einer reinen Archivierung ist dieser Aufwand geringer. Trotzdem sollten einige aussagekräftigen Daten für die Archivierung aufbereitet werden. So können statistische Daten ohne Dokumentation später im Zweifelsfall nicht mehr verstanden werden, sind so trotz Archivierung wertlos und erfüllen nicht den Zweck der guten wissenschaftlichen Praxis, da eine Reproduktion nicht möglich ist.

Bei Nutzung digitaler Methoden stellt die Archivierung von Software zusätzlich eine besondere Herausforderung dar. Softwarebibliotheken, Entwicklungsumgebungen und Betriebssysteme entwickeln sich extrem schnell weiter und Abwärtskompatibilität spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle. Das heißt, dass nicht nur der im Rahmen des Forschungsprojektes erstellte Quellcode benötigt wird, sondern theoretisch auch alle verwendeten Programmbibliotheken. Dies ist oft praktisch kaum umsetzbar und Softwarelizenzen können dies verbieten. Im Kontext der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur nimmt sich das Konsortium NFDIxCS (Informatik)1siehe unter: https://nfdixcs.org/ dieser Thematik an und versucht Lösungen zur besseren Archivierbarkeit von Software als Forschungsartefakte zu entwickeln.