Motivation
Grundsätzlich kann aus den unterschiedlichsten Gründen archiviert werden. Im geschäftlichen und behördlichen Kontext spielen dabei oft gesetzliche Dokumentations- und Abgabepflichten (Stichwort Archivgesetze) eine Rolle.
Gleiches gilt für die Archivierung von Forschungsdaten, hier greifen ebenfalls oft institutionelle oder andere Vorgaben. Insbesondere bei Projekten mit Unterstützung durch Forschungsförderer'Förderinstitutionen sind all jene Einrichtungen, die wissenschaftliche Forschung finanziell fördern, also Stiftungen, Vereine oder andere Organisationen. Die meisten dieser Einrichtungen im internationalen Raum haben dabei Richtlinien für das Forschungsdatenmanagement (FDM) von Forschungsprojekten eingeführt, d. h. eine mögliche finanzielle Förderung ist an Bedingungen und Forderungen zum Umgang mit Forschungsdaten geknüpft. Zu den bekanntesten Förderinstitutionen im deutschsprachigen Raum gehören das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) selbst, die Bildungs- und Wissenschaftsministerien der Bundesländer, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Volkswagenstiftung oder der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) sowie der Schweizer Nationalfonds (SNF).' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft kommt die Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis'Die gute wissenschaftliche Praxis (GWP) bildet einen standardisierten Kodex, der als Regelwerk in den Leitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verankert ist. Die Leitlinien verweisen auf die ethische Verpflichtung jedes/jeder Forschenden, verantwortungsvoll, ehrlich und respektvoll vorzugehen, auch um das allgemeine Vertrauen in Forschung und Wissenschaft zu stärken. Sie können als Orientierung im Rahmen wissenschaftlicher Arbeitsprozesse geltend gemacht werden.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen (GWP) hinzu, der sich alle antragsberechtigten Einrichtungen verpflichtet haben. Die GWP fordert die Archivierung von Daten zur Herstellung von Transparenz hinsichtlich der Entstehung von Forschungsergebnissen. Die Idee dahinter ist die Reproduzierbarkeit, d. h. dass Dritte anhand der einsehbaren Daten die Schlussfolgerungen unabhängig überprüfen und nachvollziehen können (Deutsche Forschungsgemeinschaft 2022, 22).
Neben diesen Vorgaben können Forschende auch eine intrinsische Motivation haben, ihre Daten zu archivieren. Gerade in den historisch arbeitenden Disziplinen ist das Bewusstsein hinsichtlich der Notwendigkeit von Archivierung hoch, sind doch nicht überlieferte Quellen oft ein Ärgernis bei der eigenen Forschungsarbeit. Hier die Quellenlage für nachfolgende Generationen von Forscher*innen zu verbessern, kann zur sorgfältigen Archivierung der eigenen Forschungsdaten motivieren. Auch wenn die eigenen Materialien vielleicht niemals die Bekanntheit eines Zettelkastens von Niklas Luhmann erlangen werden (Schmidt 2025), so können sie doch auf vielfältige Weise unter neuen Fragestellungen in Zukunft untersucht werden, nicht zuletzt aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive.
Eine eigenständige Archivierung von Forschungsdaten als Einzellösung ist in der Regel nicht zielführend. Denn Einzelpersonen oder Projektgruppen können die langfristig erforderlichen technischen Maßnahmen – etwa redundante und geografisch verteilte Backups, regelmäßige Integritätsprüfungen (Checksums), sichere Zugriffskontrollen oder die dauerhafte Bereitstellung stabiler Identifikatoren – kaum zuverlässig gewährleisten. Professionelle Datenarchive verfügen dagegen über die notwendige Infrastruktur, Expertise und organisatorische Stabilität, um Daten über viele Jahre hinweg sicher und nachvollziehbar zu erhalten. Hinzu kommt, dass Forschungsdaten im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis personenunabhängig verfügbar sein müssen: Wenn Fragen zu Forschungsergebnissen auftreten, darf der Zugang zu den zugrunde liegenden Daten nicht davon abhängen, ob einzelne Projektmitglieder noch erreichbar sind oder private Speichersysteme weiterhin funktionieren. Eine Archivierung in einem institutionell getragenen Datenzentrum stellt sicher, dass Daten langfristig auffindbar, überprüfbar und verantwortungsvoll verwaltet bleiben.
