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LerneinheitEinführung in das Forschungsdatenmanagement

Anwendungsbeispiele

Beispiele

Beispiel 1: Zusammenspiel von Forschungsprozess und Datenmanagement am Beispiel der Entstehungsgeschichte der Regesta Imperii

Forschungsdatenmanagement ist nicht losgelöst vom Forschungsprozess, sondern eng mit ihm sowie dem gesamten Projektmanagement verbunden, wie anhand des Beispiels der Regesta Imperii sichtbar wird.

Die Regesta Imperii ist ein Beispiel für eine digitale Edition, die ein traditionsreiches und prägendes Projekt für die Mittelalterforschung aus dem Gedruckten in die digitale Welt schrittweise überführt und zusätzlich mit genuin digitalen Methoden anreichert1Siehe unter: https://dhmuseum.uni-trier.de/node/463.

Sie steht seit den 1990er Jahren für die digitale Bereitstellung von Forschungsdaten. Bereits 1998 wurde die erste CD-Ausgabe zu Friedrich III veröffentlicht, ab 2001 wurden im Rahmen eines DFG-Projekts alle Regesten digitalisiert und zur Verfügung gestellt, erst einmal ohne Tiefenerschließung. Durch das RI-Lab, welches 2023/2024 veröffentlicht wurde, werden die Regesten und zusätzliche Projektdaten über eine GitLab-InstanzModerne Softwareentwicklung findet in aller Regel über speziell dafür entwickelte Plattformen statt, die Methoden zum Projektmanagement und der Verwaltung des Quellcodes bieten. Für Letzteres hat sich das Tool git als De-Facto-Standard etabliert. Softwareentwicklungsplattformen bieten die Möglichkeit, die Entwicklung projektzentriert durchzuführen und neben dem Quellcode beispielsweise ein Wiki zu pflegen und Fehler mittels eines Issue-Trackers nachzuverfolgen. Über diesen können auch Nutzer*innen von Software Fehler melden. Diese Plattformen bieten auch weitere Mechanismen zur Automatisierung, z. B. das automatische Erstellen von lauffähigen Programmen aus dem Quellcode, die dann zum Herunterladen angeboten werden können. Weiterlesen mit dem expliziten Ziel der Nachnutzung unter einer CC-Lizenz'Creative-Commons-Lizenzen sind von der Non-Profit-Organisation Creative Commons vorgefertigte Lizenzverträge, mit denen die Urheberrechtsinhabenden der Öffentlichkeit die Nutzungsrechte am eigenen kreativen Werk einräumen können. Sobald ein unter CC-Lizenz stehendes Werk im Sinne des Lizenzvertrages von Dritten genutzt wird, kommt der Vertrag zustande (TUM 2023, 5). Weiterlesen zur Verfügung gestellt2Siehe unter: https://adwmainz.pages.gitlab.rlp.net/regesta-imperii/lab/ri-lab/. Das Register wird fortlaufend gepflegt, die Daten weiter erschlossen und mit Meta- und Normdaten ausgezeichnet sowie mit einer Literaturdatenbank referenziert3Siehe unter: http://www.regesta-imperii.de/unternehmen/ri-online.html.

Die Regesten sind durch die Erschließung facettiert durchsuchbar und stehen für verschiedene Forschungsprojekte zur Nachnutzung zur Verfügung. Die folgende Grafik veranschaulicht, wie eng der Forschungsdatenlebenszyklus und damit das Forschungsdatenmanagement insgesamt mit dem Forschungsprozess im Fall der Regesta Imperii verbunden sind.

Grafik: Zusammenspiel von Forschungsprozess und Datenmanagement am Beispiel der Regesta Imperi, Laura Döring und Anne Voigt, 2025, lizenziert unter CC BY-SA 4.0


Beispiel 2: Gentz digital als Beispiel für eine Plattform zur Recherche in digital verfügbaren Forschungsdaten

Friedrich Gentz (1764 – 1832) war ein Publizist und Politiker in den auf die französische Revolution folgenden Umbruchsjahren. In seinen staatspolitischen Schriften wandelte er sich von einem Befürworter der Revolution zu einem entschiedenen Gegner der Volkssouveränität. Er war ein enger Mitarbeiter Metternichs und hatte als solcher auch Einfluss auf den Wiener Kongress (vgl. Rumpel 1964). Als Publizist und Berater pflegte Gentz ein entsprechend großes Netzwerk an Kontakten, mit denen er sich brieflich austauschte. Die Sammlung Gentz digital hat es sich zur Aufgabe gesetzt, diese Briefe zu erschließen und, versehen mit Metadaten, in Form von Transkripten und Bilddigitalisaten digital zur Verfügung zu stellen.

Wie bei vielen umfangreichen Forschungsprojekten hat auch Gentz digital eine entsprechend lange Vorgeschichte und Laufzeit, die zu einer stückweisen Entstehung des aktuellen Ergebnisses aus entsprechenden Vorgängervorhaben geführt haben. Die dadurch bedingten Medien- und Technologiewechsel, die Veränderungen in der Bereitstellung sowie unterschiedliche Projekt- und Mitarbeiterkonstellationen veranschaulichen die Notwendigkeit eines gewissenhaften FDM. Dies begann im vorliegenden Beispiel bereits bei der Sammlung Herterich, auf der Gentz digital beruht. Ganz im Sinne von Forschungsdaten hat der Kölner Historiker und Politiker Günter Herterich akribisch Kopien, Mikrofilme und selbst erstellte Transkripte der Briefe Herterich zusammengetragen, wobei einige Transkripte bereits digital auf Disketten vorlagen. Der Anspruch des Projektes, die Briefe umfangreich erschlossen und durchsuchbar der Öffentlichkeit dauerhaft zur Verfügung zu stellen, ist ein Beispiel für Umsetzung der FAIR-Prinzipien bei der Archivierung. Forschende erhalten dadurch Zugang zur Nachnutzung in ihrem eigenen Forschungsprojekt, während die interessierte Öffentlichkeit im Sinne der Transparenz des Open-Science-Gedankens ebenfalls profitiert. Durch die detaillierte Erschließung und öffentlich Bereitstellung sind die Daten Findable und Accesible, die Inhalte können im Sinne der Interoperabilität als JSON exportiert werden und damit an anderer Stelle weitergenutzt werden, diese Reusability wird außerdem durch die Lizenzierung unter CC-Lizenz gewährleistet. Die Tatsache, dass 2022 ein Wechsel der Präsentationsplattform verbunden mit einer Übertragung der Daten in eine neue Datenbank im Backend stattgefunden hat, zeigt die Herausforderung der langfristigen Bereitstellung von Daten im Digitalen, die proaktive Arbeit erfordert4 (siehe unter: https://gentz-digital.ub.uni-koeln.de/portal/info/editorial.html?l=de;   https://gentz-digital.ub.uni-koeln.de/portal/info/historie.html?l=de#info_sammlung).