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LerneinheitDatenmanagementplan

Diskussion

Planbarkeit versus Offenheit

Ein Datenmanagementplan (DMP) sollte idealerweise während der Projektplanung bzw. spätestens zu Beginn eines Projekts erstellt werden und so präzise wie möglich den Umgang mit Forschungsdaten dokumentieren. Doch nicht nur in den historischen Disziplinen bleibt es nicht bei einer einmaligen Planung und anschließenden Umsetzung, sondern es handelt sich vielmehr um einen iterativen Prozess, der immer wieder an den Projektfortschritt angepasst werden muss. Denn der explorative Charakter der Quellen- und Literaturrecherche bringt es mit sich, dass das Forschungsdesign und der Arbeitsprozess angepasst, neue Datenquellen erschlossen oder ursprünglich geplante Methoden modifiziert werden müssen, was sich auf das FDM auswirken kann. Beispielsweise kann die automatische Erkennung von Handschriften (Handwritten Text RecognitionHandwritten Text Recognition (HTR) bezeichnet die automatische Erkennung von Handschriften. Der Scan der Handschrift wird maschinell erfasst und in einen elektronischen Text umgeformt. Die Automatisierung beruht auf dem Erkennen von Mustern und Gesetzmäßigkeiten, dem so genannten maschinellen Lernen (forTEXT). Weiterlesen) je nach Quellenmaterial sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern, was unter Umständen alternative Verfahren oder eine manuelle Nachbearbeitung erforderlich macht. Historiker*innen sind also ständig gefordert, ihre Vorgehensweisen sowie Themenstellungen mit dem Veto der Quellen und den technischen Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

In einem solchen dynamischen Forschungsprozess kann ein DMP besonders wertvoll sein: Anstatt als starre Vorgabe zur Beantragung von Drittmitteln verstanden zu werden, bietet er die Möglichkeit, Änderungen im Forschungsdesign und dem damit einhergehenden Datenmanagement systematisch zu dokumentieren und so die eigene Forschungsarbeit über die Gegenwart hinaus nachvollziehbar zu halten. Die laufende Anpassung des DMP hilft nicht nur, die Entwicklung des Datenmanagements über den Projektverlauf hinweg zu reflektieren, sondern auch, spätere Arbeitsschritte effizienter zu gestalten. Dies kann sich als äußerst praktisch erweisen – sei es für die eigene Orientierung, für die Zusammenarbeit in Teams, für eine mögliche Nachnutzung der Daten in späteren Projekten und/oder für eine transparente Berichterstattung. Sehen Sie daher einen kontinuierlich fortgeschriebenen DMP weniger als eine zusätzliche Anforderung, sondern vielmehr als ein nützliches Instrument zur strukturierten Begleitung des Forschungsprozesses.

Notwendigkeit versus Aufwand

Ob in einem Forschungsprojekt ein DMP erstellt wird, hängt auf der einen Seite von den Vorgaben der Förderinstitutionen'Förderinstitutionen sind all jene Einrichtungen, die wissenschaftliche Forschung finanziell fördern, also Stiftungen, Vereine oder andere Organisationen. Die meisten dieser Einrichtungen im internationalen Raum haben dabei Richtlinien für das Forschungsdatenmanagement (FDM) von Forschungsprojekten eingeführt, d. h. eine mögliche finanzielle Förderung ist an Bedingungen und Forderungen zum Umgang mit Forschungsdaten geknüpft. Zu den bekanntesten Förderinstitutionen im deutschsprachigen Raum gehören das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) selbst, die Bildungs- und Wissenschaftsministerien der Bundesländer, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Volkswagenstiftung oder der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) sowie der Schweizer Nationalfonds (SNF).' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen ab, zum anderen vom konkreten Nutzen für das Projekt. Bei komplexen Forschungsvorhaben, in denen beispielsweise eine umfangreiche DigitalisierungBei der Digitalisierung werden analoge Materialien in digitale Formate, sogenannte Digitalisate, überführt. Diese Formate können weitergegeben, gespeichert, archiviert und maschinell verarbeitet werden. Weiterlesen von Schriftquellen, das Durchführen von Zeitzeugeninterviews oder eine anschließende Analyse mit Hilfe von Machine Learning'Machine Learning, bzw. maschinelles Lernen im Deutschen, ist ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz. Auf Grundlage möglichst vieler (Text-)Daten erkennt und erlernt ein Computer die häufig sehr komplexen Muster und Gesetzmäßigkeiten bestimmter Phänomene. Daraufhin können die aus den Daten gewonnen Erkenntnisse verallgemeinert werden und für neue Problemlösungen oder für die Analyse von bisher unbekannten Daten verwendet werden.' (Glossar forTEXT) Weiterlesen geplant sind, liegen die Vorteile eines DMPs für die Projektbeteiligten schon allein aufgrund der Komplexität auf der Hand. Dabei kann ein DMP sehr ausführlich entlang eines Fragenkatalogs erstellt oder nur die wichtigsten Aspekte in einem frei formulierten Text dargelegt werden.

Die erstmalige Erstellung eines ausführlichen DMPs kann recht aufwändig sein. Je öfter man jedoch einen DMP erstellt, desto geringer wird der Aufwand, da sich einzelne Konzepte (z. B. Backupstrategie'Der Begriff Backup bedeutet Datensicherung beziehungsweise Datenrettung und bezeichnet das Kopieren von Daten als Vorsorge für den Fall, dass es durch einen Schaden z. B. an der Festplatte oder durch versehentliches Löschen zu Datenverlusten kommt. Mit einem Backup können die Daten wiederhergestellt werden. Dafür wird der Datensatz auf einem anderen Datenträger zusätzlich gesichert (Sicherungskopie) und offline oder online abgelegt.' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen) für ähnliche Folgeprojekte nachnutzen lassen und nur projektspezifische Aspekte (z. B. Datenstandards und Tools) den Quellen und Methoden angepasst werden müssen.

Der Aufwand und Nutzen eines DMPs muss im konkreten Anwendungsfall jeweils gegeneinander abgewogen werden. Es gilt jedoch: Je mehr Forschende an einem Projekt beteiligt sind, desto wichtiger ist eine Dokumentation bzgl. des Datenmanagements. In jedem Fall lohnt es sich jedoch auch als Einzelperson immer, über ein grundlegendes Konzept für Datenorganisation, -dokumentation und -sicherung nachzudenken und dieses festzuhalten, denn das erspart zeitaufwändige Nacharbeiten, Datenverlust und kann den Wiedereinstieg in die Arbeit nach längeren Auszeiten (z B. Krankheit, Urlaub) vereinfachen.