Einführung
Forschung (in den historisch arbeitenden Disziplinen) ist in hohem Maße auf die langfristige Nachvollziehbarkeit und Nachnutzbarkeit von Quellen, Daten und Forschungsergebnissen angewiesen. Digitale Ressourcen spielen dabei eine zunehmend zentrale Rolle, von digitalen Editionen und Datenbanken über Forschungsdaten bis hin zu Publikationen und Forschungssoftware. Damit diese Ressourcen auch über längere Zeiträume hinweg zuverlässig auffindbar und eindeutig referenzierbar bleiben, sind stabile und eindeutige Identifikationsmechanismen erforderlich. Hierzu leisten persistente Identifikatoren'Ein Persistent Identifier (PID) (auf Deutsch: dauerhafter Identifikator) ist ein dauerhafter, digitaler Code, der einer digitalen Ressource wie z. B. einem Datensatz, einem wissenschaftlichen Artikel oder einer anderen Veröffentlichung direkt zugeordnet ist und diese damit permanent identifizier- und auffindbar macht. Im Gegensatz zu anderen seriellen Identifikatoren (beispielsweise URL-Adressen) verweist ein Persistent Identifier auf das Objekt selbst und nicht auf seinen Standort im Internet. Ändert sich der Standort eines mit einem Persistent Identifier assoziierten digitalen Objekts, so bleibt der Identifikator derselbe. Es muss lediglich in der Identifikator-Datenbank der URL-Standort geändert oder ergänzt werden. So wird sichergestellt, dass ein Datensatz dauerhaft auffindbar, abrufbar und zitierbar bleibt (Forschungdaten.info 2023). Weiterlesen (PIDs) einen wesentlichen Beitrag. Sie schaffen verlässliche Bezugspunkte, mit denen etwa digitale Objekte, Personen oder Institutionen eindeutig identifiziert werden können, auch dann, wenn sich z. B. URLs, Bezeichnungen, institutionelle Zuständigkeiten oder technische Infrastrukturen ändern. Im Folgenden werden die für den wissenschaftlichen Kontext relevantesten PIDs vorgestellt.
PID für digitale Objekte
Unter digitalen Objekten verstehen wir in diesem Kontext persistente, referenzierbare Einheiten im Forschungsprozess, wie z. B. Forschungsdaten (Rohdaten, verarbeitete Datensätze), Digitalisate, Publikationen, Bilder, etc., die eigenständig zitiert, geteilt oder nachgenutzt werden sollen.
Zum Arbeiten im wissenschaftlichen Bereich gehört das Teilen von Ergebnissen zum Arbeitsalltag. Sei es die Veröffentlichung der Abschlussarbeit, das Publizieren der Doktorarbeit oder das Einreichen von Beiträgen zu Fachtagungen. Heutzutage werden diese Ergebnisse überwiegend zusätzlich digital oder ausschließlich digital bereitgestellt. Um diese digitalen Objekte eindeutig zu kennzeichnen, hat sich ein Standard bewährt, der Digital Object Identifier'Die Abkürzung DOI steht für Digital Object Identifier und ist ein eindeutiger und dauerhafter (persistenter) Identifikator für digitale Objekte, z. B. für Artikel und Beiträge in wissenschaftlichen Veröffentlichungen aber auch Veröffentlichungen von Vorträgen und Lehrmaterialien. Ein DOI muss initial in der zentralen Datenbank, der International DOI Foundation, registriert werden siehe: https://www.doi.org/. Weiterlesen (DOI). Er ist in seiner Funktion vergleichbar mit der ISBN von Buchpublikationen.

Grafik: Aufbau einer DOI, Laura Döring, 2026, lizenziert unter CC BY-SA 4.0
Neben der DOI gibt es einen zweiten etablierten Identifier für digitale Objekte, der Uniform Resource Name (URN)Eine URN ist ähnlich wie eine DOI ein Persistenter Identifikator, der digitale Ressourcen unabhängig von ihrem Speicherort eindeutig identifiziert. Anders als bei einer URL bleibt sie also dauerhaft erhalten, unabhängig davon, wo die Ressource derzeit gespeichert ist oder in Zukunft gespeichert werden wird. Im deutschsprachigen Raum werden URNs in erster Linie von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) vergeben, die jedes in ihrem Bestand archivierte digitale Objekt (z. B. Publikationen und Datensätze) mit einer URN kennzeichnet. Weiterlesen der Deutschen Nationalbibliothek. Ähnlich wie eine DOI ermöglicht die Verwendung einer URN ebenfalls eine dauerhafte Referenzierung digitaler Objekte.1Ein nennenswerter Unterschied hierbei ist die Art der Verwaltung. Während eine URN von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) vergeben wird, können DOIs bei unterschiedlichen Registrierungsagenturen angefragt werden. Die für den deutschen Raum relevanten DOI-Verwaltungsdienste sind Data Cite und CrossRef (PID Kompetenzzentrum 2026).
PID für Personen
Gerade bei Personennamen kommt es häufig zu Verwechslungen und Dopplungen, z. B. wenn mehrere Forschende denselben Namen tragen oder Namensänderungen durch Heirat oder Institutionswechsel die eindeutige Zuordnung erschweren. Solche Ambiguitäten können dazu führen, dass Publikationen falsch zugeordnet werden oder Kontaktaufnahmen ins Leere laufen.
Für lebende Forschende bietet die Open Researcher and Contributor IDDie Open Research and Contributor-ID (ORCID) ist ein international anerkannter persistenter Identifikator, mit dessen Hilfe Forschende eindeutig identifiziert werden können. Die ID kann dauerhaft sowie institutionsunabhängig von Forschenden für ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen verwendet werden. Sie besteht aus 16 Ziffern, die in vier Viererblöcken dargestellt sind (z.B. 0000-0002-2792-2625). Die ORCID-ID ist als Identifizierungsnummer bei zahlreichen Verlagen, Universitäten und wissenschaftsnahen Einrichtungen etabliert und wird in den Workflow z. B. bei der Begutachtung von Zeitschriftenartikeln integriert Eine ORCID kann unter https://orcid.org/ kostenfrei erstellt werden.. Weiterlesen (ORCiD) Abhilfe: Nach dem Anlegen eines Accounts wird jeder Person eine eindeutige Ziffernkennung zugewiesen. Über diese sog. ORCiD können Publikationen, Datensätze und weitere wissenschaftliche Beiträge eindeutig einer Person zugewiesen werden, unabhängig von etwa Namensänderungen oder Institutionswechseln.2Im deutschsprachigen Raum hat sich die Verwendung einer ORCiD etabliert. Immer mehr Plattformen wie beispielsweise Repositorien (Zenodo) oder Videoplattformen (TIB AV Portal) bieten die Möglichkeit eine Art von Identifikator anzugeben.
Für historische Persönlichkeiten sowie zeitgenössische Personen aus Politik, Kultur oder Gesellschaft kommen Normdateien zum Einsatz. Sie ermöglichen die eindeutige Identifikation von Personen unabhängig von Namensschreibweise oder Sprache. So trägt etwa der Trierer Philosoph Karl Marx (GND 118578537) dieselbe Namensform wie der Komponist Karl Marx (GND 118731521) – ohne Normdaten-ID wäre eine eindeutige Zuordnung von Quellen und Werken schlicht nicht möglich. Zu den wichtigsten Normdateien im Bereich Personen zählen die Gemeinsame Normdatei (GND) Die Gemeinsame Normdatei (GND) ist eine deutschsprachige Normdatei, die von der Deutschen Nationalbibliothek zusammen mit Partnern aus den deutschsprachigen Bibliotheksverbünden und weiteren Einrichtungen gepflegt wird. Sie umfasst Einträge zu einer breiten Auswahl an Entitäten aus den Bereichen Personen, Körperschaften, Konferenzen, Geografika, Sachbegriffen und Werken (Gemeinsame Normdatei (GND) 2025). Weiterlesender Deutschen Nationalbibliothek, die besonders in deutschsprachigen Forschungs- und Bibliotheksinfrastrukturen verbreitet ist, sowie das Virtual International Authority File (VIAF), das Normdaten'Normdaten bilden Identifikationen und standardisierte normierte Datensätze in Form von eindeutigen Nummern, anhand derer Personen, Werke, Institutionen, Forschungsförderer, Körperschaften oder Schlagwörter eindeutig beschrieben und zuordenbar werden. Eine fälschliche oder doppelte Zuordnung entfällt durch diese normierten Daten. Insbesondere in Katalogen und Datenbanken können durch Normdaten Informationen zu bestimmten Entitäten vereinfacht herausgefunden werden, wodurch eine digitale Vernetzung und Auffindbarkeit zwischen Projekten stattfinden kann. Weiterlesen verschiedener Nationalbibliotheken international zusammenführt.
PID für Organisationen
Universitäten, Forschungseinrichtungen, Archive oder Gedächtnisinstitutionen spielen in nahezu allen Phasen des Forschungsprozesses eine Rolle: als Arbeitgeber, Förderempfänger, Datenhalter oder Affiliation in Publikationen. Gleichzeitig treten sie unter sehr unterschiedlichen Namen auf:
- verschiedene Sprachversionen,
- Abkürzungen und Langformen,
- historische Namensänderungen oder Fusionen.
Ohne einen persistenten Identifikator ist eine eindeutige Zuordnung dieser Varianten kaum möglich. Die Research Organization Registry (ROR)ROR ist ein globales, gemeinschaftlich betriebenes Register zur eindeutigen Identifizierung institutioneller Akteure in der Wissenschaft. Jedem Eintrag wird ein Persistenter Identifikator zugewiesen, der die eindeutige und dauerhafte Verknüpfung von Forschungseinrichtungen mit Forschungsergebnissen und Forschenden ermöglicht – unabhängig von Namensänderungen oder organisatorischen Umstrukturierungen – wodurch deren Auffindbarkeit und Rückverfolgbarkeit vereinfacht wird. ROR erweitert somit andere Persistente Identifikatoren um eine institutionelle Dimension und wird von Einrichtungen wie Crossref, DataCite und ORCiD unterstützt. Die ROR-Daten stehen unter einer offenen Lizenz zur freien Nachnutzung zur Verfügung und werden ebfenfalls in Publikationssystemen für Zeitschriften, Datenrepositorien und anderen Forschungsinfrastrukturen genutzt.Eine ROR-Kennung kann unter https://ror.org/registry/ kostenfrei erstellt werden. Weiterlesen weist jeder Organisation eine eindeutige Kennung zu und ist insbesondere im Kontext von Forschungsinfrastrukturen und Metadatenstandards'Metadatenstandards dienen der einheitlichen Beschreibung von ähnlichen Daten durch Metadaten. Sie legen die Begriffe und Bedeutungen, sowie Struktur und Aufbau als Standard für z. B. eine bestimmte Fachdisziplin fest. Metadatenstandards fördern so die Auffindbarkeit von Daten und unterstützen die Interoperabilität zwischen Anwendungen, also den Austausch, den Vergleich und die Verknüpfung von Datensätzen Ein verbreiteter Metadatenstandard ist der Dublin Core (siehe folgendes Beispiel: https://www.dublincore.org/specifications/dublin-core/dcmi-terms/)..' (Data Affairs, Glossar) Weiterlesen weit verbreitet. Ergänzend bieten Normdateien wie die GND und VIAF auch für Organisationen (z. B. Behörden, historische Körperschaften, Gruppen oder aufgelöste Institutionen) normierte Einträge, die vor allem in bibliothekarischen und geisteswissenschaftlichen Kontexten genutzt werden.
PID für Geografika
Orte, Regionen und andere geografische Einheiten treten im Forschungskontext in vielfältigen Varianten auf: unterschiedliche Schreibweisen, Sprachversionen, historische Namensänderungen oder administrative Neugliederungen erschweren die eindeutige Zuordnung erheblich. So bezeichnet „Königsberg“ und „Калининград“ (Kaliningrad) heute denselben Ort. Ohne eindeutigen Identifikator ist eine systemübergreifende Verknüpfung entsprechender Quellen und Forschungsdaten kaum möglich. Der GeoNames-Dienst bietet für eine Vielzahl geografischer Objekte weltweit persistente Identifikatoren. Für historische und bibliothekarisch relevante Geografika, wie etwa aufgelöste Territorien, historische Ortsnamen oder administrative Einheiten vergangener Epochen, bieten erneut ergänzend die GND und VIAF normierte Einträge, die eine langfristige Referenzierbarkeit sicherstellen.
